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mardi, février 15

On n'est pas amoureux!

Er holt mich - inzwischen zum zweiten Mal - vom Bahnhof ab, von Gare du Nord, dessen Bahnsteig ich immer mit so einer Freude zurücklege. Die Freude darüber unter Pariser Himmel zu sein... Und die Vorfreude auf seine Umarmungen...

Er fragt mich, nach einem langen Kuss, worauf ich eher Lust hätte. Er hätte bei sich auch einiges vorbereitet (nicht ganz was Grosses wie das einmalige pot-au-feu nach seiner Mutter Rezept das letzte Mal, aber...), aber wir sollten vielleicht eher Paris geniessen? Ja, und Paris soll uns geniessen, schliesse ich mich ihm an, und er schlägt Au Limonaire vor als Ziel. Genau so wie ich es mir gewünscht habe, dass er auch daran denken solle. Dorthin, wo wir uns zum ersten Mal küssten, soll er mich heute nehmen, sagte ich mir schon seit Tagen.

Vorbei an einer beeindruckenden Markthalle Saint Quentin - noch nie gesehen! - suchen wir gleichzeitig eine Bistro/Brasserie - etwas eher Französisches. Für den kleinen Hunger. Neben all dem libanesischem oder japanischem Angebot. Auch gut, aber ein anderes Mal... Und wir sehen La Bontendrie - mit genau dem ambiance, das zu dem Abend passt: nicht zu schick, nicht zu léger, nicht zu voll, nicht zu leer, nicht zu teuer, nicht zu billig, nicht zu braun, nicht zu pink! Es ist St. Valentin und wir wollen es ja nicht feiern. :) Wir füttern uns gegenseitig das göttliche foie gras poêlé, trinken den dazu passenden Schluck, stehen auf und tanzen dann als das einzige Liebespaar - verstehende Blicke rundherum! Wir sagen dazu: Wir sind nicht verliebt. Wir sind von der Stadt Paris bestellt worden, damit ihr Ruf bestehen bleibt. An so einem Tag vor allem!

Wie wir dort ankommen, ist das sowieso magere montägliche Programm am Au Limonaire schon abgeschlossen, es wird die letzte Runde ausgerufen. Wir hinterlassen jeweils unausgetrunkene Gläser von Calva und Rotwein, küssen uns dort (zwischen Tür und Angel), dort wo alles seinen Lauf nahm, noch ein letztes Mal, nehmen ein Taxi (Aus dem Augenwinkel nehme ich das Eckcafé noch wahr, wo ich Eric im Herbst zum letzten Mal traf - auf ein Bier und ein paar Küsse. Paris wird immer kleiner.) und fahren zu unserem Bett, das auf uns wartet, und champagne!

mardi, août 24

crustacés et coquillages

Auch dieser Tag geht in die Geschichte ein. Es ist der Tag, an dem ich auf die Eiffel raufging, zu Fuß, bei einem traumhaften Wetter, einer Wolkenstimmung wie aus einem Bilderbuch, in Begleitung von einem charmanten WahlPariser, der selber die letzten 10 Jahre "gewartet" hat, um sich die Tour Eiffel zu geben. In Vorfreude auf den Turm habe ich mir zuerst das längst vorgenommene foie gras auf der carte von Plein Soleil gegeben, mit dem dazupassenden süßlichen Tropfen, und es konnte schon losgehen: Taxi! À la Tour Eiffel, SVP!

Zur Feier des Tages gab es danach ein Sortiment von huître bei Le Dôme zum Schlürfen. Der champagne danach gab es bei Lilas. Nach einem starken café und dem obligatorischen baba au rhum, an der Bar, genau an der Stelle, wo Hemingway auch öfter saß. Alles, ebenfalls wie inzwischen üblich, knapp vor der Sperrstunde von den genannten Lokalitäten, will heißen knapp nach Mitternacht.

Auf dem Rückweg zeigte sich schon die Wirkung von den Meeresfrüchten, und der Tag endete dem entsprechend, oder soll ich sagen, der Tag begann?

lundi, août 16

Je meurs de soif!

Pastis war unser digestif am Samstag, nach dem quiche und mehr (aber nicht Falafel - pas encore) am Rue des Rosiers. Den guten Tropfen nahmen wir in der kleinen Bar Au Petit Fer à Cheval ein, mit der Bar in Form eines Hufeisens am Vieille du Temple, wo wir in La Perle, unser erstes rendez-vous in Paris hatten.
Ich wollte dann endlich das vielgepriesene (zumindest auf den Plakaten im Untergrund) Picon-Bier zu mir nehmen, und zugleich auch ein paar Bars in meinem hippen quartier ausprobieren. Angefangen hat der Abend am L'Orange Mécanique (natürlich wieder ein Filmtitel), bei dem ich quasi zufällig vorbeikam, aber ich hatte drüber schon in meinem planète isolée gelesen - nämlich in einem Interview mit einem 11ème-Liebhaber überhaupt. Danach kam die geplante Au Chat Noir, für mein 1667 blanche, eins der wenigen französischen Biere, und dann ins Charbon am Oberkampf, wo ich noch ein originales, aber selteneres Bier genoß, den Pelforth. Letzte Woche kam ich am Boulevard St. Germain in einem kleinen Bistro 34 sogar auf ein Pariser Bier drauf, Demory - war auch nicht schlecht.

Die Runde nahm sein Ende dann, wie immer, an der Bar vom Theater Côté Cour, wie mich Chems anrief und sagte, dass er da wäre... Chez moi, halt! Ein allerletztes Bier nach den Rotweinen dort war dann im Au Petit Garage angesagt - die Beschreibung im obengenannten Reiseführer mit den Worten local custom, laid-back staff kann ich mehr als bestätigen.


samedi, août 14

le goût des autres

Es gibt nicht nur den Mord im Orient Express, sondern auch - wie ich neulich erfuhr - The Mystery of The Blue Train von Agatha Christie, die eine Vorliebe für Züge aus Paris zu haben scheint. Le Train Blue, die die Strecke Paris-Lyon-Marseille zurücklegte, und seinen Ursprung eigentlich am Bahnhof von Calais hatte, war mir unbekannt, bis mich Patrick gestern, nach unserem langen Samstag und unserem apéritif chez Laurent zum Gare de Lyon entführte, um mich zuerst mit "Wir fahren nach Perpignan, du hast keine Wahl!" zu erschrecken und dann mit einer zauberhaften Ambiente doch positiv zu überraschen.

Dort, in diesem geräumigen Saal, um es vorsichtig zu formulieren, im Rokoko-Stil, gespiegelt in den Riesenfenstern, die zum Bahnhofsplatz schauen - da schmeckte das foie gras natürlich gleich ganz anders als sonstwo.

Die Krönung des Abends war allerdings das baba au rhum martinique! Somit gewann auch das Baba, das ich schon aus Istanbul kannte, in diesem Saft, in dieser Ambiente und in diesem Zug, einen gänzlich neuen Geschmack.

jeudi, août 12

la grand tour de Paris



Es ist 5 Uhr. Paris wacht auf.
Nachdem ich sie gestern ins Bett gebracht habe.
Nach einer Grand Tour auf dem Hintersitz seines Mopeds, die mir Chems de bon cœur gegeben hat.

Wir starteten bei mir, zwischen Marais und Belleville also, am nördlichen Seine-Ufer. Zuerst zeigte er mir mal Centre Pompidou, da mich meine langen Spazierwege da nie vorbeigeführt hatten und er das für unmöglich hielt, dass ich nach 10 Tagen Paris, das Gebäude - zumindest, aber auch vor allem, von außen - nicht gesehen hatte. Dann war Louvre dran, mit seiner Pyramide, die ich ein Tag zuvor schon bewundert hatte. Louvre, weil er auf unserem Weg zu dem Hauptzweck der Fahrt lag, nämlich Champs-Élysées. Zu Abendstunde in August auf einem kleinen Motorrad Richtung Arc de Triomphe zu fahren - es gibt wenig Schöneres, das man in Paris machen kann. Die Straßen sind leer, und die Sonne geht hinter dem Bogen unter.

Danach kamen nach der Reihe die Eiffel (aber wie!) von allen Blickwinkeln wie z.B. von Trocadéro aus aber auch eine Durchfahrt unterhalb, vorbei an dem Tunnel, wo Diana vor ca. genau 13 Jahren ihren tödlichen Unfall hatte, vorbei  an Notre Dame, an vielen hôtels - sowohl im deutschsprachigen Sinne, wo für eine Übernachtung mit ca. ab € 1.000,-- zu rechnen wäre, als auch im französischen wie Hôtel de Ville, Hôtel des Invalides, ziemlich prominent vertreten in den "Hast du schon ... gesehen?-Fragen der Einheimischen. Über die Brücken, und die Inseln, vorbei ebenfalls am sehr  prominenten Institut du Monde Arabe, kehrten wir über Bastille in unsere Gegend zurück, und machten uns - er halb Tunesier, halb Algerier, ich Armenierin aus der Türkei, mitten in einer der Pariser belebtesten Nachtstraßen Rue de la Roquette im Café Divan gemütlich und ließen die wundervolle Nacht, die Fahrt und Paris auf uns einwirken.

vendredi, août 6

déjà vu

Film und Paris - das ist eine sehr spezielle Beziehung. Kino ist überall präsent, wie z.B. in dem Namen meines Lokals (noch nicht ganz deuxième maison, aber bald...): Le Plain Soleil. Übersetzt: Nur die Sonne war Zeuge - eine Erstverfilmung von The Talented Mr. Ripley in den 60ern. Mit Alain Delon, bitte...

...und Paris selber spielt in sehr vielen Filmen die Hauptrolle, so wahrscheinlich bald in Woody Allens letztem Film mit Mme La Présidente und so auch für Jean-Luc Godard in À Bout de Souffle, den ich mir gestern hinter Champs-Élysées, in einem Park bei Mondlicht anschaute. Ich kam mir aber nicht deswegen wie in einem französischen Film vor, sondern wegen den amourösen Nachmittagsstunden, die ich mit Eric teilte. Zuweilen am Fenster rauchend, um zu pausieren, und seine Küsse an meinem Nacken bei der Abendsonne... Das Französische, das ich dabei ins Ohr geflüstert bekam... Das waren schwarz-weiß Szenen, die ich alle schon kannte. Oui, je les ai déjà vu!

mercredi, août 4

je t'embrasse tres fort

Mir sind die kleinen Bücher schon in meiner Pariser Wohnung aufgefallen - gleich nach dem Eintreten - wie sie auf der commode lagen. (Ja, so klein ist eine typische Pariser Wohnung - so mein Eindruck, dass man schnell beim Nachtkästchen steht, nachdem man die Wohnung betritt.)  ..kleine Paris-Führer, wie z.B. mit dem Titel Comment devenir une vraie Parisienne oder Vivre mieux pour moins cher. Heute auf dem Boulevard St-Germain prominierend sah ich dann mehrere von ihnen in einem Buchgeschäft, und da konnte ich mich dann von dem Erwerb des Stücks mit dem Titel Où s'embrasser à Paris nicht mehr abhalten.

Zumal ich zwei Stunden zuvor schon eine Premiere in einem Café erlebt hatte... Ein Kuss, worauf ich das compliment einkassierte, ich könne schon eine Menge Französisch! Gut, ich höre schon wieder auf, aber ich muss gestehen, ich mache tatsächlich keine schlechten Fortschritte, und weiß, dass es viel mehr als den vielzitierten Voulez-vouz coucher... gibt.